Random header image... Refresh for more!

Winter in Afrika

Der afrikanische Winter ist hart. Über Nacht sind die gestern noch grünen Blätter an den Bäumen schwarz geworden. Erfroren!  Wir hatten minus 1 Grad. Tagsüber erwärmt es sich dann wieder auf  15 bis 20 Grad, aber gefühlt wie 5 Grad.  Die strahlende Sonne steht am tiefblauen, wolkenlosen Himmel, dazu weht ein eisiger, frischer Wind, der aus der Kalahari  feinen,  roten Sand mitbringt.

Die alten Häuser,  mit den ganz einfachen, schlecht schliessbaren Fenstern,  sind so ausgekühlt, dass man oft überlegen, besser fühlen muss, wo es wärmer ist, drinnen oder draussen. Eigentlich sind wir an Kälte gewöhnt und können gut damit umgehen. Nur hier fühlt sich alles ein bisschen anders an. Wenn man völlig durchgefroren nach Hause kommt, zieht man seine Jacke nicht aus, denn im Haus ist es meist sehr „frisch“, oft viel kühler als draussen.   Bei uns im Norden dagegen kommt man aus der Kälte in eine warme, kuschelige  Wohnung und kann sich an einer laufenden Heizung noch weiter  erwärmen.
Vor und auch in den Hütten brennen jetzt viele Feuer,  manche den ganzen Tag.  Es wird darauf gekocht und immer  einen Topf mit kochendem Wasser bereit gehalten , um zu jeder Zeit heissen Tee aufbrühen zu können. Wenn man gegen Abend nach Hause kommt, hängt meist eine schwere, dicke Rauchwolke über Ramotswa.
Offenes Feuer gegen die Kälte

Offenes Feuer (2)

Bedingt durch diese offenen Feuer gibt es auf der Kinderstation im Moment viele Verbrennungen und Verbrühungen.  Die Kinder toben und spielen, sind einfach für einen kurzen Augenblick unachtsam und schon ist es passiert!

Verbrennungen

Ein 4-jähriges Mädchen hat einen Topf mit kochendem Wasser vom Tisch gerissen, den die Mutter nur kurz abgesetzt hatte. Beide Ärmchen  waren bis zur Schulter verbrüht. Einem kleinen Jungen ist es ähnlich passiert, nur  hat  er noch starke Verbrennungen im  Halsbereich. Stellen, die schwer heilen.  Sie werden mit Brandsalbe versorgt und jeden Tag neu verbunden. Die Kleinen wehren sich heftig dagegen, weinen und schreien, obwohl die Schwestern sehr sanft, einfühlsam und versichtig sind. Bei uns zu Hause werden die Kinder meist in Vollnarkose versorgt, hier bekommen sie eine Schmerztablette. Oft schlafen sie erst  nach der Behandlung ein.
Ein 12- jähriger Junge mit Verbrennungen an beiden Beinen bis über die Knie, erzählt mir,  dass er beim „Weitspringen übers Feuer“  wohl einen zu kurzen Anlauf genommen hätte und so mittendrin landete. Seine Hose brannte und er konnte sie nicht schnell genug ausziehen. Bei seinen Schilderungen lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Wenn die Schwestern ihn dann morgens neu versorgen, ist er so tapfer und klagt oder jammert nicht ein einziges Mal. Er muss jetzt jeden Tag  Knieübungen machen, damit die neue Haut elastisch und dehnbar bleibt. Ich gehe mit ihm bei strahlendem Sonnenschein, aber frischer, kühler Luft,   draussen spazieren. Dann  zählen wir beide immer  zusammen:  10 Schritte, stehen bleiben und dann 5 x in die Knie gehen. Wir zählen auf deutsch, er möchte hören, wie  meine Sprache klingt. Er ist so ehrgeizig, ich muss ihn nach einer Zeitlang schon bremsen. Wegen der Kälte  habe ich eine Jeans und Stiefel an, er nur Flip-Flops und eine kleine Unterhose. Über seine Brandwunden kann er noch keine lange Hose ziehen.
Wir haben einen Gasofen gekauft, so dass wir hiermit gut einheizen können. Auch mehrere Elektroöfen helfen uns zu einer Gemütlichkeit am Abend. Ein schöner Feuerkorb auf der Terasse gibt die Möglichkeit am späten Nachmittag noch länger draussen zu sitzen. Auch hat dieses Haus einen Kamin. Die lodernde Flamme sieht gemütlich aus, der Kamin wärmt aber eher weniger und hinterher riecht man entweder nach Schinken oder Bückling.

Der Gasofen

Der Kamin

Die Regenzeit soll nun vorbei sein. Die Kälte hält wohl noch bis  Ende Juli / Mitte August an und dann wird es langsam wieder wärmer.  Ab Mitte Oktober wird es dann wieder richtig heiss, aber auch feucht.   Winter im Sommer gefällt mir gar nicht!

Bei der Arbeit