Outreach im Mai (Teil 2#3)
Am nächsten Tag ging es weiter nach Gumare, z. Zt. Pinkies Heimatstadt. Es warteten schon einige Patienten vor der Tür. Diesmal gab es weitere sprachliche Probleme, denn es kamen auch Menschen aus ganz einsamen Gegenden, Halbnomaden, die einen ganz anderen Dialekt sprachen. Zum Glück fand Pinkie dann einen Übersetzer. Der kam mit einem grossen Buch und musste gleichzeitig jeden Fall dokumentieren und das dauerte. Mir ist seit langem aufgefallen, dass hier in Botswana sehr viel geschrieben wird und immer alles recht umfangreich in dicke Bücher.
Ich frage mich: „ Wofür, für wen und wer liest das überhaupt?“ Ohne Vorankündigung kam plötzlich ein Lehrer herein, braune Aktentasche, Brille und auch ein grosses Buch unter dem Arm. Er kam mit dem Bus aus einem kleinen Dorf und brachte seine gesamte Klasse mit, die alle nicht hören können, wie er ganz streng und ernst erklärte. Jeder Schüler wurde von ihm einzeln aufgerufen, in sein Buch eingetragen und zur Ordnung und zum „Gerade sitzen“ ermahnt.
Nun wurde jeder gründlich untersucht und dann mit Hilfe von Pinkie ein Hörtest gemacht, in dem sie Zahlen in verschiedenen Lautstärken und Abständen den Kindern zurief, die diese wiederholen mussten. 18 Kinder wurden so untersucht, alle, bis auf eins, konnten wunderbar hören. Der Lehrer war sehr zufrieden und machte lange Notizen.
Dann kam ein Geschwisterpaar mit kleiner Tochter der Schwester. Es waren San, Buschleute aus dem Norden. Wir konnten uns sofort an diese drei erinnern, denn wir hatten sie schon im Febr. in Ghanzi getroffen.
Als sie hereinkamen, strahlten plötzlich die Gesichter, auch sie hatten uns wieder erkannt. Der Junge, 17 Jahre, muss operiert werden. Das hatte Thomas schon vor 3 Monate erklärt. Dazu muss die Mutter oder ihr Vertreter, ihn begleiten. Die Mutter kommt auf keinen Fall mit, wie wir erfahren mussten und einen offiziellen, gesetzlichen Vertreter gibt es nicht. Sie will nicht in einen Bus steigen, zu Fuss ist der Weg natürlich viel zu lang. Ausserdem will sie ganz einfach die heimatliche Umgebung nicht verlassen. Wir versprachen, eine Lösung zu finden. Aber erstmal müssen dafür die „OP –Räume“ wieder herstellt werden, die seit einiger Zeit wegen der defekten Klima-Anlage geschlossen sind.
Wir wollten gerade einpacken und gehen, als ein Kleinbus mit 2 Frauen und jeweils einem Baby, sowie einem Mann, mit „Betreuung“ hier eintrafen. Sie kamen von weit her und waren seit vielen Stunden unterwegs. Alle diese Patienten hatten „MDR TB“ (multi drug resistent) eine Krankheit, die sich langsam entwickelt hat und gegen die nur ganz wenige Medikamente helfen und sehr ansteckend ist. (TBC, HIV..)
Alle trugen einen Mundschutz, ebenso der Betreuer und der Busfahrer. Auch wir beide und die Schwestern mussten nun wegen der Ansteckungsgefahr uns auch „vermummen“. „ So schwer krank,“
dachte ich bei mir und dann kommen noch Hörprobleme dazu. Thomas erklärte mir später, der Hörverlust entsteht aufgrund der Medikamenteneinnahme. Aber ohne diese Medizin wiederum, haben sie gar keine längere Lebenserwartung. Ein Teufelskreis!
Am nächsten Morgen wollten wir weiter nach Maun fahren, aber uns fehlte der Treibstoff für das Auto. Seit vorgestern streikten die Tanklastfahrer der südafrikanischen Zulieferfirmen. Wir klapperten alle Tankstellen, es waren 3 hier in der Gegend, ab. Keine Chance!! Dann hatte Pinkie die Idee: „Wir gehen zum council“! (Das ist so etwas Ähnliches wie eine Bezirksverwaltung). Wenn schon ein Doktor hier her kommt und diese weite Reise auf sich nimmt, dann muss man ihm auch helfen, dass er wieder wegfahren kann! Ganz energisch tat sie an der entsprechenden Stelle ihre Meinung kund. Wir stellten am Abend einen Antrag und dann sollten wir am nächsten morgen wieder kommen, denn zuerst gab es ein „meeting“ und dann wurde entschieden.
Es ging dann doch recht schnell. Wir bezahlten an einer Kasse, bekamen einen Abhol-Schein und konnten damit zur „behördlichen Tankstelle“ gehen.





