Plötzlich stand er am Strassenrand, behäbig, massig, grau. Wir waren erstaunt, überrascht und erfreut, hier am Strassenrand einen Elefanten zu sehen. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Bisher mussten wir nur für Kühe, Ziegen oder Esel bremsen. Wir fuhren ganz langsam heran und hielten an. Er fächerte mit seinen riesigen Ohren und schaute uns interessiert an, dann drehte er sich um und kopfschüttelnd verschwand er langsam im Gebüsch.
Seit einer Woche waren wir hier im Nordwesten Botswanas, nahe der namibischen Grenze, unterwegs und besuchten kleine, recht einsam gelegene Krankenhäuser, die nur von gut allgemein ausgebildeten Krankenschwestern aufrecht erhalten werden. Vor ein paar Wochen hatte Thomas hier in Ramotswa im Krankenhaus, Pinkie, eine junge Sozialarbeiterin aus diesem Gebiet kennengelernt, die hauptsächlich behinderte Kinder betreut und Menschen unterstützt, die sich unsicher und hilflos fühlen, in bezug auf Wege durch die medizinische Bürokratie. Wir haben uns mit ihr verabredet, sie wollte mit uns diese weit abgelegenen Krankenhäuser aufsuchen und gleichzeitig als Dolmetscher für uns zur Verfügung stehen.

junges Mädchen auf dem Weg nach Ghanzi
Samstagfrüh fuhren wir los und nehmen noch bis Ghanzi ein junges Mädchen mit, das am Freitag entlassen wurde und normalerweise bis Montag auf den Kranken-Rücktransport hätte warten müssen. Sie freute sich sehr, schon am Wochenende wieder zu Hause zu sein.
Am Sonntagmorgen fuhren wir weiter nach Gumare. Hier stieg Pinkie zu uns ins Auto und wir fuhren zusammen weiter nach Shakawe, kauften ein, tankten noch einmal voll und setzten mit einer kleinen Fähre über den Okavango, um auf der anderen Uferseite auf einer Schotterstrasse 100 km weiter nach Seronga zu fahren. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit dort, war in einem Community –Camp, dass einfach nur dreckig und viel zu teuer war. Einzelheiten erspare ich mir hier!

Vorbereitung zur Überfahrt

Angela und Pinkie auf der Fähre
Obwohl Pinkie den HNO-Arzt vor einer Woche angemeldet und am Tag vorher nochmal daran erinnert hat, wurde dieses „Ereignis“ hier in der Klinik völlig vergessen. Man war sogar ein bisschen echt betroffen und versuchte nun schnell ein paar Patienten aufzutreiben. Dann wurde jemand in die kleine Schule geschickt und alle 17 Schüler mussten einen HNO-Check über sich ergehen lassen. Das war ja eigentlich nicht der Sinn der Sache. Die wirklich kranken Menschen wurden aufgrund dieser Vergesslichkeit übergangen. Es muss noch viel getan werden, dachten wir nur. Am Nachmittag fuhren wir über die Schotterpiste zurück, mit der Fähre nach Shakawe, wo wir am nächsten Morgen in das Krankenhaus dort gingen.

Thomas richtet sich ein
Jeder Patient, der sich im Krankenhaus meldet, bekommt zuerst einen Tagesstempel in seine Krankenakte, wird dann gemessen, gewogen und nach seinen Problemen gefragt.
Und genau wie in Seronga, ist auch hier nichts vorbereitet, kein einziger Patient einbestellt, dafür lässt sich das Personal selbst untersuchen. Unsere „Reisebegleiterin“ ist so ärgerlich über soviel Desinteresse und macht das laut und deutlich klar. Von den heute hier erschienenen Patienten und das sind nicht wenige, werden alle mit leichten ersten Anzeichen einer nahenden Erkältung, jetzt gleich zum HNO-Arzt weitergeschickt. Ich denke ganz leise bei mir: „ Na, das hätten die hier auch alleine geschafft, dafür muss man nicht 1000 km fahren.“

Im Wartebereich
Aber bei der Menge waren dann doch ein paar darunter, die eine ausgiebigere Untersuchung mit einem längeren Gespräch und Erklärungen benötigten. Wie gut, dass wir Pinkie an unserer Seite hatte, sie übersetzte, erklärte, beruhigte und vermittelte zwischen dem Krankenhauspersonal und uns. Sehr kranke Patienten, Kinder die ohne Eltern dort erschienen waren, Kranke, die ausserdem noch Familienprobleme hatten, wurden von ihr besonders betreut. Sie notierte Namen und Adressen, um dann später mit einzelnen zur Weiter- bzw. Nachbehandlung nach Ramotswa zu kommen. Sie geht zu den Leuten direkt nach Hause, erinnert sie an die Untersuchungs/Behandlungstermine und passt auf, dass die nicht vergessen werden, was sehr oft der Fall ist.

Patientin mit Baby, Pinkie und Thomas
Die wenigen Übernachtungsmöglichkeiten dort oben waren ausgebucht, aber wir hatten vorsichtshalber ein Zelt und die dicken Schlafsäcke mitgenommen. Und somit verbrachten wir eine Nacht auf dem Zeltplatz an den Tsodilo-Hills. Drei einzelne Berge findet man plötzlich auf dem flachen Land, nachdem man ca. 50 km auf einer sehr schlechten Schotterpiste bei Nxamasere, die Hauptstrasse verlassen hat.
Am Nachmittag machen wir mit einem ortskundigen Führer eine zweistündige Wanderung, um gut erhaltene Felsmalereien in versteckten Nischen zu entdecken. Verschiedene, seltene Vogelarten können wir unterwegs beoabachten und dann kreuzt sogar noch eine schwarze Mamba unseren Weg.
Inzwischen haben Kühe auf der Suche nach Wasser den Zaun durchbrochen und an den Waschhäusern die Aussenwasserhähne aufgedreht, getrunken und das Wasser laufen lassen. Dieses Wasser wird bei Bedarf per LKW gebracht und in Wassertanks umgefüllt. Es gibt keine direkte Wasserleitung dorthin. Niemand hat diesen Vorfall beobachtet und so lief das Wasser mehrere Stunden, bis der Tank leer war. Als das Personal des kleinen Besucherzentrums dann endlich merkte, dass es kein Wasser mehr gab, hängten sie einfach ein Schild „out of order“ an die Tür der Wasch- und Toilettenräume und schloss die Türen ab, denn die Toilettenspülung war ja nun auch nicht mehr funktionstüchtig. Um 16.30 Uhr war Feierabend und sie wanderten nach Hause. Um 17.30 Uhr bauten wir unser Zelt auf und kochten ein kleines Süppchen, denn Trinkwasser hatten wir genug, Zähneputzen ging auch noch gerade und gewaschen wurde sich morgen dann irgendwo anders.
Um 18.00 Uhr wurde es dunkel und kalt. Wir sammelten noch schnell ein bisschen Brennholz und machten ein grosses Feuer. Unser Zelt, mit Über- und Vorzelt war riesig und gemütlich, so dass wir alle drei dort gut Platz hatten. Und dann kamen die Kühe zurück. Ich zählte 16 Tiere. Das Gebimmel der Kuhglocken und das laute „Muh“ war schon von weitem zu hören. Die leuchtenden Augen tanzten wie glühende Kohle in der tiefschwarzen Nacht. Keine wilden Tiere und doch ganz schön unheimlich! Sie suchten immer noch Wasser. Thomas nahm zur Sicherheit den Kanister und die Wasserflaschen aus dem Zelt und trug sie ins Auto. Dann legten wir uns schlafen. Die Kühe trabten ganz dicht ums Zelt und ab und zu schlug die pendelnde Schwanzquaste auf die Zeltwand. Ich konnte lange nicht einschlafen. Was würde passieren, wenn die plötzlich losrennen würden? Aber die Rindviecher waren auch nur müde und träge. Erst spät kam Ruhe in die Herde.

Angela und Thomas während der Teepause
Der Morgen war kalt, trübe und neblig. Wir kochten nur ganz kurz eine Kanne Tee, ein paar Kekse dazu, packten das Zelt zusammen und dann ging es weiter nach Etsha 6, einem kleinem Dorf, sehr gut bekannt wegen der berühmten Korbflechter. Das Gras am Ufer des Okavangos ist kräftig, hart, sehr fest und trotzdem recht biegsam. So entwickelten sich seit vielen Jahren ganze „Korbflechter-Dynastien“. Was früher für den täglichen Eigenbedarf genutzt wurde, findet nun in der Tourismusbranche starke Beliebtheit.
In dem kleinen Krankenhaus von Etsha 6, warteten schon 22 Patienten. Wieder bauten wir unsere mitgebrachten Geräte auf und hatten schnell eine gut laufende HNO-Abteilung.

Körbe in Etsha