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Gofaone Matthys kann nach Hause fahren

Heute morgen konnte  Gofaone, 9 Jahre alt, mit ihrer Mutter endlich nach Hause  fahren.
Vor ca. 3 Wochen kamen sie beide in einem Kranken-Transportbus  mit anderen  Patienten  zusammen, aus Bokspits hier im BLH in Ramotswa an. Beide , Mutter und Tochter, gehören zum  Stamm der Buschleute  (San, Basarwa) und sind kleine, feingliedrige,  zierliche Menschen. Ausserdem ganz ruhig und bescheiden.


Dieses kleine Mädchen wurde bereits im Februar während unseres Besuchs im Krankenhaus in Tsabong untersucht . Eine Operation in Ramotswa war nötig.  Ohne eine Terminabsprache sassen  Mutter und Tochter eines Tages einfach  im Wartebereich  der HNO-Abt.  Obwohl  die OP-Räume wegen der defekten Klimaanlage immer noch geschlossen sind,  wurde eine Operation im „Notfall-OP“  am nächsten Tag durchgeführt. Der Heilungsprozess verlief gut und die Kleine spielte schon bald  mit anderen Kindern  auf dem Spielplatz des Krankenhauses. 

Zusammen mit den anderen Patienten, sollten Mutter und Tochter  am Freitag entlassen werden und nach Bokspits zurück fahren.  In diesem kleinen Ort an der südwestlichen Grenze Botswanas, noch 250 km hinter Tsabong,  also insgesamt fast 1000 km von hier,  gibt es nur eine ganz kleine Krankenstation, ohne ärztliche Versorgung. Um ganz sicher zu sein, dass es keine Komplikationen mehr geben könnte, sollte nun am Abreisevormittag noch eine eingehende Untersuchung durchgeführt werden. Man bat den Fahrer des Krankentransportes mit der Rückfahrt  bis mittags  zu warten.  Dazu hatte er aber keine Lust, weil er am Freitagabend schon persönliche Verabredungen getroffen hatte. Er fuhr einfach früh morgens schon los, ohne sich über das Fortkommen von Mutter und Tochter Gedanken zu machen.
Beide waren  nun am Montagmorgen immer noch auf der Kinderstation. Die Kleine schaukelte im Garten, die Mutter  sass vor dem Haus auf der Bank. Ich setzte mich zu ihr und wir unterhielten uns ein wenig.  Ich bedauerte, dass der Fahrer nicht gewartet hatte, sie zuckte nur mit den Schultern. Sie sagte nicht viel.  Da war kein Ärger  oder Enttäuschung,  da war nur Ruhe und  Gleichmut.  Das war schon bemerkenswert.
Die Schwestern auf der Station versuchten währenddessen schon telefonisch die nächsten Transport-möglichkeiten herauszufinden.  So gibt es auch immer in unregelmässigen Abständen Krankentransporte von dort unten aus dem südwestlichen Botswana ins staatliche Krankenhaus in Gaborone.  Man bat,  zu notieren, dass hier eine Mutter  mit  Kind sass und nach Bokspits zurück musste, um  dann die beiden  auf dem Rückweg  mit zu nehmen.
Auch in Bokspits selbst und in Tsabong wurde nachgefragt, ob in den nächsten Tagen ein neuer Krankentransport vorgesehen wäre.
Am Dienstagmorgen meinte die Mutter noch, es wäre ja wie Urlaub hier. Sie hätten ein schönes Bett, bekämen dreimal  am  Tag reichlich zu essen, das kleine Mädchen könnte hier mit anderen Kindern spielen und alle Schwestern wären so nett und freundlich zu ihnen.  Aber ansonsten redete sie kaum. Sie war so still. Nahm einfach alles so hin, wie es kam.

Am Mittwoch  erklärte sie Ähnliches. Doch dann fing sie plötzlich an zu weinen. Sie hätte Heimweh und möchte nun doch gerne endlich nach Hause. Ihre  zweite, kleinere Tochter dort, wäre in der  Nachbarschaft gut untergebracht, aber sie möchte einfach wissen, wie es ihr geht. Telefonieren?  Nein, sie hätte kein Telefon und die Nachbarn auch nicht. Ihr Mann arbeitete auf einer Farm, die mehrere Kimometer ausserhalb Bokspits lag  und war somit überhaupt nicht zu erreichen, zumal  er oft auch bei den Kühen draussen war.  
Nach vielen Telefonaten erreichte man am Donnerstag  dann  wieder einen Fahrer aus dem Süden,  im staatlichen Krankenhaus, den man eindringlich bat, hier vorbei zu kommen und die beiden mit zunehmen. Bei einer Gesamt strecke von ca. 1000 km, sind 20 km Umweg wirklich nicht zu viel, dachte ich. Aber der lehnte die Fahrt ab, mit der Begründung, er hätte sie ja nicht her gebracht, also brauchte er sie ja auch nicht mit zurück zu nehmen.
Zwischendurch hatte man auch schon des öfteren an den öffentlichen Überlandbus gedacht, der jeden Morgen vom Busbahnhof aus Gaborone geht.  Sie hatten aber  kein Geld, nicht einen einzigen Pula.  Und der Bus war teuer.  Umgerechnet  ca.  30 € , wie ich erfuhr.   Also weiter warten auf den Krankentransport, der nichts kostet.
Die Kleine schaukelte, die Mutter weinte.  Und wenn sie mal was sagte, dann waren es Bedenken über den  langen Schulausfall,  die Sorgen um die kleine Tochter in der Nachbarschaft und um den Ehemann weit weg auf den Feldern bei den Kühen.  Und keinen Rücktransport in Aussicht in absehbarer Zeit.  
Plötzlich war die Idee da!  Wir sammeln für die Rückfahrt!  Gar nicht lange überlegt, eine Schwester aus der HNO-Abt.,  wortgewandt und immer recht munter, schnappte sich eine kleine Pappschachtel und ging sofort durchs ganze Krankenhaus, erzählte in wenigen Worten  die Geschichte des kleinen Mädchens und ihrer Mutter.  In kürzester Zeit hatte sie das Geld für  die Busfahrkarte  und sogar noch etwas  mehr, in ihrem Pappkarton.  Fast alle hatte etwas dazu getan, sogar auch einige Patienten.  Die Schwestern organisierten dann auch noch einen Fahrer vom krankenhauseigenen Fahrdienst, der sie  frühmorgens zum Busbahnhof nach Gaborone bringen sollte, und die Küchenmitarbeiter packten noch eine umfangreiche „Verpflegungstüte“  für die lange Rückreise.

Als ich dann am Freitagmorgen auf die Kinderstation kam,  erfuhr ich als allererstes: „ Gofaone und ihre Mutter konnten  heute früh  endlich nach Hause fahren.“