Zurück aus Deutschland
Gestern bin ich nach 3 Wochen „Urlaub“ in Hamburg, wieder in Gaborone gelandet. Im LH-Jumbo von Frankfurt nach Johannesburg wurde ich richtig verwöhnt, nachdem ich in einem kurzen Gespräch etwas über unseren Aufenthalt und die Arbeit hier, erzählt habe. Außerdem war ich stark erkältet und so wurde ich mit heißem Tee und viel Wasser (ich hatte starken Durst) sehr aufmerksam versorgt. Es war ein ruhiger, sehr interessanter Flug, was einzig und allein dem Bordpersonal zu verdanken war.
Der Hamburger Frühling lag jetzt 15 Std. hinter mir, als ich in strömendem Regen bei 13 Grad in Gaborone landete. Thomas trug die dicken, klobigen Gummistiefel , griente und meinte:
„Schön, dass du wieder da bist, es regnet übrigens seit 5 Tagen ohne Unterbrechung.“ Und so sah es auch aus. All die vielen Schlaglöcher auf den Straßen waren mit Wasser gefüllt, rechts und links gab es riesige, fließende Pfützen.
Feierabend-Verkehr in Gaborone, „ Stop and Go“. Die Straße war ziemlich unter Wasser. Wir fuhren auf dieser 4-spurigen Straße an das Stauende heran und blieben im gebotenen Abstand stehen, als plötzlich der hinter uns langsam fahrende PKW mit voller Wucht auf unser Auto geschoben wurde. Eine Dame, in einem Nissan-Kleinlaster, kam mit hoher Geschwindigkeit angerast und merkte viel zu spät, dass der Bremsweg zu kurz war. Unser „Hintermann“, ein kleiner Mazda, war Schrott. Zum Glück ist niemandem etwas passiert. Wir standen 1 ½ Std. Im strömenden Regen auf der Straße und debattierten. Polizei wurde nicht geholt, denn keiner hatte eine Versicherung. Lediglich Auto-Kennzeichen und Tel.-Nr. wurden ausgetauscht. Wir konnten zum Glück noch weiterfahren, nur der Auspuff war gegen die Innenkante des Reifen gepresst worden und machte schlimme Geräusche.
Heute morgen kam Khutsa, unsere kleine Putzfrau und erzählte ganz traurig, dass am Wochenende ihr Vater gestorben wäre. Samstag würde es eine große Trauerfeier für das ganze Dorf geben. Eine Kuh ist schon geschlachtet, 3 Ziegen sind noch morgen dran. Sie würde in dieser Woche nicht arbeiten können, wegen der ganzen Vorkocherei und der Versorgung der großen Verwandtschaft, die jetzt von weit her kommen würde.
Als John, der Gärtner, um 11 Uhr immer noch nicht erschienen war, telefonierte ich ihm hinterher. Ein anderer Mann meldete sich und erzählte, dass John am Wochenende ins Krankenhaus gekommen wäre und sehr krank sei. Bin gleich hinüber gegangen und habe ihn gesucht und gefunden. Er hat mich nicht erkannt, schlief ganz tief, als wenn er im Koma liegen würde. Er zitterte am ganzen Körper. Ich ging zur Schwester und bat um eine 2. Decke. Die einzige, mit der er zugedeckt wurde, war so ein ganz dünnes „Plünnending“. Sie hätten keine mehr, seine wäre schon die letzte gewesen! Aber die Waschmaschine würde laufen und dann bekommt er noch eine! Kaum zu glauben.
„Ich gehe nach Hause und hole ihm eine!“ war mein Vorschlag. “Das geht nicht, Decken von auswärts dürfen nicht ins Krankenhaus!!“ Ich dachte, ich höre wohl nicht recht. Der arme Kerl liegt da krank und friert so furchtbar und niemand besorgt eine weitere Decke. Ich gehe auf die Kinderstation, wo ich ja fast alle Schwestern mittlerweile gut kenne, schildere mein Problem und äußere meinen Wunsch nach einer Decke. „ Nein, jede Station hat ihre eigenen Decken! Der muss warten bis die Wäsche fertig und trocken ist.“ Das kann dauern bei diesem anhaltenden Regen und der hohen Luftfeuchtigkeit, dachte ich nur. Diese Situation hier, so wie sie gerade ablief, machte mich nachdenklich und war erschreckend zu gleich. Es fehlt eine warme Decke für einen schwer kranken Menschen. Ich möchte ihm eine schenken. Sie ist nagelneu und wird abgelehnt. Warum? Ich weiß es nicht. Es kann mir auch keine von den Schwestern erklären. Bei uns zu Hause darf jeder Patient sein Kuschelkissen oder die Schmusedecke mitbringen , wenn er stationär aufgenommen werden muss. Niemand hat etwas dagegen.
Da wird in Deutschland gesammelt und immer wieder aufgerufen zum Spenden und viele Menschen kommen diesen Bitten nach. Und hier stehe ich mit einer Wolldecke vor der Krankenhaustür und darf sie einem kranken, frierenden Menschen nicht geben. Was erzähle ich meinen Freunden und Bekannten zu Hause, die wir versuchen zum Spenden zu überreden?? Gebt Geld? Geld, zu dessen Verwendung wir hier keinen Einfluss haben!
Ich habe dann die Chefin angesprochen und um Hilfe gebeten. Er hat auch bei ihr gearbeitet und viele Jahre auch bei unseren Vorgängern. Sie versprach, gleich etwas zu unternehmen.
Abends bin ich nochmal hinüber gegangen. Er hatte eine 2. Decke, wenn auch genauso dünn und löchrig wie die erste, aber immer hin, es war noch eine da!
Ja, ich bin ganz schnell in Afrika wieder angekommen!



