Khama Rhino Sanctuary und SOS- Kinderdorf
Um unsere nähere Umgebung ein wenig besser kennen zu lernen, versuchen wir öfter an den Wochenenden kleinere oder auch größere Ausfahrten zu unternehmen.
Ca. 500 km nördlich von Gaborone liegt der „Khama Rhino Sanctuary Park“. Dort befinden sich die letzten noch in freier Wildbahn lebenden „Rhinos“ Botswanas. Dieser Park wurde 1992 gegründet, als man feststellte, dass es hier im Land nur noch 3 frei lebende Nashörner gab.
Die Tiere wurden in den vergangenen Jahren, wegen der angeblich “wundersamen Wirkung“ ihrers Horns, brutal verfolgt und getötet. Endlich wachte man auf und gründete zu ihrem Schutz diese Stiftung. Inzwischen ist die Population wieder auf 34 Rhinos herangewachsen. 11 von ihnen haben wir dort gesehen und 4 kreuzten direkt unseren Weg. Wir sassen ganz still im Auto, als sie gemächlich direkt vor uns über den Sand schaukelten. Ein bisschen mulmig war mir schon, denn es wäre ein Leichtes für diese Kolosse gewesen, mal eben im Vorbeiziehen unser Auto auf die Seite zu legen.
Auf dem Weg dort hin, etwa 30 km vor dem Park, als wir durch die kleine Stadt Serowe kamen, fiel uns plötzlich ein Hinweisschild auf ein „SOS-Kinderdorf“ auf. Wir folgten diesen Wegweisern und waren neugierig. Schliesslich sind wir seit fast 40 Jahren Mitglied und kannten die Programme und das Konzept nur aus den uns zu geschickten Info-Blättern. Am Stadtrand von Serowe standen wir dann vor dem Tor. In dem großen Garten spielten und tobten viele fröhliche Kinder, die ohne Scheu auf uns zu kamen und uns begrüssten. Wir fragten uns durch bis zum Leiter dieser Anlage.
Dieses Dorf wurde im Juni 2009 eröffnet. Das 3. in Botswana. In den kleinen Häusern leben jeweils 8-10 Kinder mit einer „SOS-Mutter“ und einer Haushaltshilfe. Diese Kinder sind Waisen und haben keine Familienangehörige, bei denen sie leben könnten. Für die Jüngeren gibt es hier im Dorf eine Grundschule mit eigens dafür eingestellten Lehrern. Die älteren Kinder fahren mit dem Schulbus in die Stadt, um dort die weiterführende Schule zu besuchen.
Wenn ich an Waisenkinder dachte, stellte ich mir kleine, ernste, traurige, oft verweinte Gesichter vor. Kinder, die irgendwo still , scheu und misstrauisch in einer Ecke standen und abwarteten was wohl als Nächstes passieren würde. Aber hier tobte das Leben. Wie auf einem riesigen Schulhof: ein Geschrei und Gejohle, es wurde geneckt und gerangelt, gelacht und gesungen, gehüpft und gesprungen. Jungen boxten und kappelten sich, ein paar Mädchen gingen langsam untergehakt, die Köpfe zusammengesteckt, tuschelten und kiecherten.
Als wir das Tor öffneten und eintraten, waren wir sofort umringt. Im Geiste zählte ich die Pfefferminz-Bonbons in meiner Tasche, aber 126 Stück hatte ich nie und nimmer. Soviele Kinder wohnten in diesem Dorf und ich hatte kein einziges, kleines Geschenk. Neugierig wurden wir ausgefragt. Aber keiner drängte oder bettelte nach irgend etwas. Sie waren einfach nur glücklich und strahlten eine Zufriedenheit aus, die ich hier während meiner ganzen Zeit im südlichen Afrika nur sehr selten bei Kindern gesehen habe. Alle waren ordentlich gekleidet und die, die barfuss liefen, hatten ihre Schuhe an der Seite irgendwo im Gras oder Sand liegen. Jedenfalls fiel es uns auf, dass jedes Kind auch ein eignes Paar Schuhe besass, was noch lange nicht immer eine Selbstverständlichkeit hier ist.
Wie oft haben wir unterwegs die Kinder über Stock und Stein, durch hohes Gras und wildes Gestrüpp laufen sehen, ohne Schuhe. Ich dachte jedesmal sofort an scharfe, spitze Steine, an die langen, harten Dornen des Kameldornbusches oder die vielen stachligen Kletten zwischen den Gräsern. Was, wenn irgendwo eine Schlange durchs Unterholz kroch…..? Ich mochte gar nicht weiter denken. Wenn ich irgendwo Kinder sehe, schaue ich zuerst in ihre Gesichter und dann auf ihre Füsse. Und für alle barfusslaufenden Kinder möchte ich am liebsten gleich Schuhe kaufen.
Eine Gruppe „kleiner Halbstarker“ bildete eine Riege und dann wurde Anlauf genommen und Saltos gemacht. Als federnder Absprung diente ein alter Autoreifen. Wir klatschten und feuerten sie an. Und immer wieder kamen kleine Gruppen zusammen, die wir fotografieren mussten. Es fiel uns schwer zu gehen.
Seit vielen Jahren sind wir Mitgleid in der „Hermann Gmeiner Stiftung“. Von dem Konzept, elternlosen Kindern ein neues Zuhause, eine Heimat, eine Familie zu geben, waren wir schon immer überzeugt. Wenn wir in den vergangenen Jahren auch manchmal kleine Zweifel hatten, hier wurden sie alle zerstreut. Wir werden sicherlich die beiden anderen Kinderdörfer hier in Botswana auch noch besuchen.
Bitte lesen Sie weiter: Herrmann Gmeiner, den Gründer der SOS-Kinderdörfer (Wikipedia)








