Random header image... Refresh for more!

Ein Vormittag im Kinderzimmer

Zwei-  oder dreimal in der Woche gehe ich in die Kinderabteilung und schaue nach, ob jemand Lust hat mit mir zu malen.  Das ist  abhängig vom Alter der Kinder.   (Wenn an manchen Tagen nur Babies in den Betten liegen, gehe ich wieder nach Hause) Zeichenmaterial bringe ich mit.

Heute morgen lief ein Videofilm und vier  Kinder und eine Mutter mit Baby im Arm  starrten gebannt in die “Flimmerkiste“, die hoch unter der Decke hängt. Es wurde wild geschossen, viele Leichen, das Blut floss. Unfassbar und das in einem Kinderzimmer!   Ich fragte, ob jemand mit mir malen möchte. Keine Antwort!
Dann stand ein kleines Mädchen auf dem Flur, das weinte und schluchzte bitterlich. Ich nahm es in den Arm und fragte, was denn wohl los wäre.  Sie hielt mir die linke Hand hin, in der eine Kanüle steckte. Offenbar hatte man ihr da hinein gerade ein Medikament gespritzt. Ich tröstete sie und setzte sie an den kleinen Kindertisch auf einen Hocker, gab ihr ein Blatt Papier und ein paar Buntstifte. Sofort malte sie lauter Kreise, ich wischte ihr die Tränen ab und sie lächelte ein wenig. Die anderen Kinder wurden aufmerksam, rutschten aus den hohen Betten und kamen an den Tisch. Jeder bekam ein Blatt  Papier und die Buntstifte stellte ich in die Mitte. Vom Fernseher zog ich nun einfach den Stecker aus der Steckdose,  denn den Schalter konnte ich aufgrund der Höhe nicht erreichen. Die Kinder beachteten mich dabei gar nicht, die Mutter, mit samt dem Baby, rollte sich auf die andere Seite und schlief sofort ein.

Die beiden grösseren, ca. 12 Jahre alt,  malten sofort Häuser, Blumen, Zitronenbäume, einen LKW und sich selbst.  Alles wurde mir dabei erklärt und ich lobte sie, was sie sichtlich genossen.  Ein kleiner Junge, der wohl noch nie einen Stift in der Hand gehalten hatte, rührte damit auf dem Blatt, wie mit einem Löffel. Ich führte seine Hand und wir malten zusammen eine Sonne. Jeder der konnte, schrieb seinen Namen auf das Blatt.

Die Schwester kommt herein und verteilt  Äpfel.  Die  werden  nun zuerst gemalt, bevor sie aufgegessen werden.
In diesem Zimmer stehen eng aneinander 10 Betten, 6 Kinderbetten und 4 grosse. Bei den Babies liegt die Mutter  immer mit im Bett.  Entweder schläft sie, hat das Handy am Ohr oder spielt irgendwelche Telefonspiele.  Es gibt genug Zimmer, um die Betten grosszügiger zu verteilen, aber die Schwestern haben sie in ein Zimmer geschoben, um nicht zuviel laufen zu müssen. Dabei gibt es hier genug Personal. Manchmal zähle ich mindestens  acht Schwestern ,  die meistens rumsitzen, „schnattern“ und Tee trinken.
Dann malen alle Kinder die eigene Hand, in dem die eine aufs Papier gelegt wird und mit der anderen eine Linie um die einzelnen Finger gezogen wird. Fingernägel und  die kleinen Hautfalten malen wir hinein. Die grösseren Mädchen malen dann noch pinke Nägel. Das finden alle toll, egal wie alt sie sind.  Die fertigen Bilder klebe ich mit Tesa neben ihrem Bett an die Wand. Sie strahlen voller Stolz.

Die Mutter mit dem Baby wird wach. Steht auf, reckt sich, schaut in die Runde, kommt auf mich zu und drückt mir den kleinen Wurm in den Arm  und verschwindet. Das Kleine fängt nun an zu schreien. Ich wiege es hin und her. Nach 5 Minuten ist es eingeschlafen. Da stand ich nun mit dem schlafenden Kind im Arm und mit den anderen sollte ich malen. Die Mutter fand ich später in den Waschräumen, wo sie in 2 Eimern die Wäsche für sich und ihr Baby wusch. Sie wäre gleich fertig und dann würde sie auch das Kind wieder nehmen, erstmal sollte ich es doch noch ein bisschen halten.

Gegen 12.00 gibt es Mittagessen. Millipap, ein  dicker Maismehlbrei  mit Gemüse, Sosse und ein Stückchen vom Huhn,  in einer kleinen Blechschüssel ohne Besteck. Es wird mit den Fingern gegessen, in dem sie ein Stückchen vom Brei zusammen mit einer kleinen Bohne oder Karotte  durch die Sosse ziehen und schnell in den Mund schieben. Zum Schluss wir der Hühnerknochen abgenagt.  Egal wie alt sie sind, das können alle sehr geschickt, es geht fast nichts  daneben. Gelernt, ist gelernt!

Ein junger Krankenpfleger kommt herein, geht wortlos zum Fernsehapparat, schaltet ihn an  und schon läuft  der der „Horrorfilm“ weiter. Um die Kinder, ob sie essen oder nicht, kümmert er sich gar nicht.  Er setzt sich hin und guckt fasziniert in die Flimmerkiste. Die Kinder natürlich ebenso. Freundlich bitte ich ihn, den Film auszuschalten. Dieses „Thema“  wäre doch nichts für so kleine Kinderseelen!   Böse guckt er mich an und meint, ich hätte ja überhaupt keine Ahnung von Kindererziehung ,..  usw.  Schließlich müsste man schon früh damit anfangen, die Kleinen auf zu klären, was los ist in der Welt und sie müssen schnell  lernen und wissen, was die Realität ist. Ich versuchte, ihn um zustimmen, aber leider zwecklos. Er wurde richtig wütend. Ich auch und zog wieder den Stecker heraus, bat ihn das Zimmer zu verlassen, damit die Kinder in Ruhe essen konnten.   Dann sprach ich mit der Oberschwester. Sie wollte sich um das „Thema“ kümmern!  Hat sie wohl auch getan, denn nun treffen mich jedesmal bitterböse, wütenden Blicke.  Ich grüsse ihn freundlich, aber er wendet sich ab. Ein Mann lässt sich doch hier von einer Frau nichts sagen und schon gar nicht von  einer Weissen!